Marktpreis ist keine Strategie
- Stefanie Händel
- vor 6 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Perspektiven zu Revenue Management Systemen 3 von 12
„Der Markt ist aktuell tiefer.“
„Die Mitbewerber sind günstiger.“
„Wir müssen uns am Markt orientieren.“
Solche Sätze hört man häufig, wenn es um Preisentscheidungen geht.
Marktbeobachtung ist wichtig. Aber Marktpreis ist keine Strategie.
Ein Revenue Management System analysiert Marktbewegungen und passt Preise entsprechend an. Doch die strategische Richtung bestimmt der Mensch.

Vergleichshotels sind keine Klone
Viele Revenue Management Systeme arbeiten mit Vergleichsgruppen. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Doch kein Vergleichshotel ist identisch.
Unterschiede bestehen in:
Lage
Infrastruktur
Markenstärke
Gästesegment
Vertriebsmix
Kostenbasis
Zwei Hotels im selben Ort können völlig unterschiedliche Strategien verfolgen – und beide wirtschaftlich erfolgreich sein.
Wer Preisentscheidungen ausschliesslich auf Basis von Vergleichsdaten trifft wie Revenue Managementsysteme, übernimmt implizit die Strategie anderer.
Dies sollte bewusst gesteuert werden.
Reaktion ist keine Positionierung
Ein Revenue Management System kann Marktpreise beobachten und Trends erkennen. Es kann berechnen, wie sich vergleichbare Häuser verhalten.
Doch es stellt keine grundlegende Frage:
Wollen wir dieser Bewegung folgen?
Wenn der Markt kurzfristig nach unten geht, entsteht oft reflexartig der Impuls, ebenfalls zu senken. Das fühlt sich sicher an. Niemand möchte „zu teuer“ wirken.
Doch Preis ist nicht nur Wettbewerbsreaktion.
Preis ist Positionierung.
Wer ausschliesslich reagiert, definiert sich nicht selbst – er lässt sich definieren.
Marktbewegungen sind nicht immer nachhaltig
Kurzfristige Preisbewegungen können viele Gründe haben:
ein Event
kurzfristiger Nachfrageeinbruch
aggressive Promotion eines Mitbewerbers
Liquiditätsdruck
strategische Neuausrichtung
Nicht jede Bewegung ist strukturell. Nicht jede Senkung ist langfristig sinnvoll. Nicht jede Erhöhung ist nachhaltig durchsetzbar.
Ein System erkennt die Bewegung. Es bewertet jedoch nicht deren strategische Qualität.
Hier braucht es Einordnung von uns Menschen.
Orientierung ja – Abhängigkeit nein
Marktdaten sind wertvoll. Sie schaffen Transparenz. Sie liefern Kontext.
Doch Kontext ersetzt keine eigene Entscheidung.
Strategisches Revenue Management bedeutet:
Marktbewegungen beobachten
Relevanz prüfen
eigene Positionierung reflektieren
bewusst entscheiden
Nicht automatisch folgen.
Der Markt liefert Informationen. Die Richtung bestimmen wir Menschen.
Preisunterschied ist nicht automatisch ein Fehler
Ein häufiger Gedanke lautet:
„Wenn wir höher liegen als der Markt, verlieren wir Buchungen.“
Das kann zutreffen. Es kann aber auch bedeuten, dass Ihr Haus bewusst anders positioniert ist.
Ein höherer Preis sendet ein Signal. Ein niedriger Preis ebenfalls.
Wenn ein Hotel konstant unter dem Marktpreis liegt, beeinflusst es:
Gästestruktur
Erwartungshaltung
langfristige Wahrnehmung
Ein bewusster Preisabstand nach oben kann dagegen:
Qualität unterstreichen
Nachfrage filtern
Wertigkeit stärken
Der Marktpreis ist ein Referenzpunkt. Er ist keine automatische Handlungsanweisung.
Der Preis als Ausdruck von Selbstverständnis
Preis ist mehr als ein Zahlenwert.
Er ist Ausdruck von:
Selbstverständnis
Qualitätsanspruch
Zielgruppenfokus
unternehmerischer Haltung
Wer Preise primär als Reaktion versteht, verliert Gestaltungsspielraum.
Wer Preise als strategisches Instrument begreift, gewinnt Kontrolle.
Ein Revenue Management System kann helfen, Marktveränderungen schneller zu erkennen. Doch es ersetzt nicht die Frage:
Wofür stehen wir?
Fazit
Marktpreis ist Orientierung. Er ist keine Strategie.
Ein Revenue Management System kann Marktbewegungen abbilden. Es kann reagieren. Es kann anpassen.
Doch strategische Positionierung entsteht nicht durch Reaktion.
Sie entsteht durch bewusste Entscheidung.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
„Was macht der Markt?“
Sondern:
„Welche Rolle wollen wir in diesem Markt einnehmen?“
Das ist keine technische Einstellung. Das ist unternehmerische Führung.



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